Vom Fliegen und sich fallen lassen

Etwas über ein Jahr ist es nun her, als ich mich spontan dazu entschied einen Tandem-Fallschirmsprung zu wagen. Wieso genau weiß ich eigentlich bis heute nicht: Ich hatte weder eine „Bucket List“, noch habe ich mich zuvor mit der Sportart auseinandergesetzt. Dennoch wollte ich aus einem Flugzeug springen und tat es auch.

Der erste Sprung

Am 14. Juni 2015 war es dann schließlich soweit und ich hob zusammen mit Sebastian, meinem Tandem-Master, in einer einmotorigen Cessna Soloy ab. Nach zirka 20 Minuten Flugzeit und etwas mehr als 4.000 Meter über dem Grund sprangen wir aus dem Flugzeug. Ich fühlte mich so frei wie noch nie in meinem Leben und auch wenn es fast schon klischeehaft klingen mag: Diese Momente dort oben, in denen Sekunden zu Minuten werden, man an nichts anderes denkt und nur im „hier und jetzt“ lebt, werde ich nie mehr vergessen. Die anfängliche Nervosität und Angst wich dem Adrenalin beim Sprung aus der Tür, gefolgt vom Gefühl grenzenloser Freiheit und einer Euphorie die ich so noch nicht kannte. Egal ob während des Freifalls oder der Schirmfahrt: Ich genoß jeden einzelnen Moment, saugte ihn förmlich in mich auf. Es waren bestimmt 1-2 Wochen, in denen ich grinsend wie ein Honigkuchenpferd durch die Gegend lief.

Etwas ist anders…

Bereits unmittelbar nach dem Sprung spürte ich eine Veränderung in mir, schrieb dies anfänglich jedoch der Euphorie nach dem Sprung zu und schenkte ihr vorerst keine weitere Beachtung. Doch auch nachdem alle Begleiterscheinungen, die der Sprung mit sich brachte, abgeklungen waren, ließ mich das Erlebte nicht mehr los. Ich schaute in den blauen Himmel und wollte wieder zurück. Ich schaute mir unzählige Videos an und bekam jedes mal eine Gänsehaut, bei dem Gedanken selbst dort oben gewesen zu sein. Sehnsucht als solche kannte ich bis zu diesem Zeitpunkt nur in Bezug auf Menschen die mir nahe standen, nicht jedoch auf eine Aktivität oder Tätigkeit.

 

Wenn du das Fliegen einmal erlebt hast, wirst du für immer auf Erden wandeln, mit deinen Augen himmelwärts gerichtet. Denn dort bist du gewesen und dort wird es dich immer wieder hinziehen.

Leonardo da Vinci

 

Es folgten zwei weitere Besuche an derselben Dropzone, beide mal jedoch nur als Begleiter für Freunde/Arbeitskollegen. Ich fragte allen Beteiligten Löcher in ihre Bäuche und informierte mich so über den Einstieg in den Sport des Fallschirmspringens. Nach Rücksprache mit meiner Familie unterschrieb ich am 28. Juli 2015 die Anmeldung für die AFF-Ausbildung und einen Schnuppersprung Ende August.

Groundschool

Ende August, genau genommen am Wochenende vom 22.–23. war es dann soweit. Nach abgeschlossener Groundschool sollte ich das erste mal mit zwei Lehrern zusammen in die Luft. Doch das Wetter bzw. der Wind machte uns einen Strich durch die Rechnung. Eine Woche später sollte es dann doch noch klappen: Nach einer kurzen Auffrischung des Gelernten bestieg ich zum ersten mal den Flieger mit einem Gurtzeug auf dem Rücken. Endlich war ich wieder dort wo ich hinwollte: Über den Wolken, mitten im strahlend blauen Himmel, tief unter mir die Erde. Ich fühlte mich Zuhause.

 

Amongst the clouds in big blue sky, the only place true answers lie.

Unbekannter Autor

 

Nach diesem Schnuppersprung war es um mich geschehen. Ich entschloss mich dazu die Ausbildung fortzuführen und sprang so oft es das Wetter nur zuließ. Die Zeit verging wortwörtlich wie im Fluge, die Saison war vorbei und ich war bereits 14 mal aus einem Flugzeug gesprungen. Ich hätte es nie für möglich gehalten und jedem einen Vogel gezeigt, der mir so etwas vorgeschlagen hätte.

Die erste Winterpause

Winter in Deutschland sind lang und hart. Nicht unbedingt vom Wetter her, aber aus der Sicht eines Fallschirmspringers. Besonders wenn man noch in der Ausbildung ist und seine Lizenz noch nicht inne hat. So vertrieb ich mir die Zeit mit anderen Dingen, besuchte ein paar mal den Windtunnel um an meiner Freifall-Haltung zu arbeiten, traf mich mit anderen Springern und lernte dabei schnell, dass Fallschirmspringen so viel mehr zu bieten hat. Es spielt keine Rolle ob man Schüler, Anfänger oder Profi ist – unter Springern ist man Springer.

Die neue Saison

Mittlerweile ist es Ostern und die Saison ist eröffnet. Endlich wieder springen, hoch hinaus in den Himmel. Die Vorfreude ist riesig, es tut so gut wieder in der Luft zu sein und all die Menschen, mit denen ich diese wunderbaren Momente im letzten Jahr erleben und teilen durfte, wiederzusehen.

Mittlerweile habe ich 31 Sprünge und meine Prüfungen erfolgreich bestanden. Den letzten Prüfungssprung absolvierte ich zusammen mit meinem damaligen Tandem-Master Sebastian – ein toller Moment! Es dauerte nicht lange und ich hielt meine Fallschirmspringer-Lizenz in den Händen. So recht glauben kann ich das nach wie vor alles nicht, doch ich habe es geschafft: Ich bin Fallschirmspringer.

Danke

Jetzt, gut ein Jahr und knapp 50 Sprünge später, blicke ich zurück und schreibe über meine Erlebnisse und diesen einen Moment im Juni 2015, der mein Leben so schlagartig und überaus positiv verändert hat. Ein Leben ohne Fallschirmspringen scheint mir nicht mehr denkbar und ich bin gespannt wohin mich diese Reise noch führen wird. Doch ich möchte auch bei allen danken, die mir die Ausbildung ermöglicht haben und die ich bisher kennenlernen durfte. Denjenigen die das Vertrauen in mich hatten genauso wie denen, die mir auch mal einen Tritt in den Hintern gaben, sofern es nötig war.

Es sind einfach zu viele Namen, die ich an dieser Stelle nennen müsste und deswegen verzichte ich auf direkte Ansprachen.

Danke an euch alle und: Blue Skies & Happy Landings

6 Comments

  1. Hi Cedric,
    super beschreiben. Deine Ausführungen treffen den Nagel auf den Kopf 🙂 Absolut genau die gleichen Gefühle hatte ich nach meinem Tandemsprung und während der Ausbildung. An welcher Dropzone springst du?
    Blue Skies
    Schlotti

    Reply
    • Hi Charlotte,

      vielen Dank für das Lob! 😊 Ich habe meine Ausbildung in Stadtlohn gemacht und bin ab und zu noch mal dort, meist findest Du mich aber in Soest.
      Wo springst Du denn? Komm doch mal bei uns vorbei, ich würde mich freuen!

      Blue Skies,
      Cedric

      Reply
      • Hi Cedric,
        hey super, von Soest hab ich schon viel gutes gehört. Eigentlich wollte ich dieses Jahr am Ladies Day kommen; hat aber leider nicht geklappt. Aber spätestens nächstes Jahr komme ich auf jeden Fall mal vorbei.
        Ich springe am Herrenteich. Eine etwas kleineres DZ bei Mannheim/Hockenheim. Ich freu mich schon auf weitere Blogeinträge von dir.

        Blue Skies
        Schlotti

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